Im Kanton Aargau sieht sich die Bevölkerung seit einigen Jahren mit einem Sparpaket nach dem Anderen konfrontiert. Dies obschon die kantonale Regierung bereits einige Schlappen einstecken musste, wie beispielsweise als die Stimmbevölkerung das Sparpaket von 2014 mit einem Referendum bachab schickte.

Mit dem Budget für 2018-21 ist nun das vierte Jahr in Folge geprägt von Leistungsabbau. Dieser Abbaupolitik ist von 2006 bis 2012 eine Periode der Steuersenkungsrunden vorausgegangen, von denen ausschliesslich die Reichen profitiert haben.Die Zeche für diese Privilegien einer vermögenden Minderheit hat die gesamte Bevölkerung des Kantons Aargau zu zahlen. In erster Linie wurden zunächst die Leistungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen beschnitten. Somit wurden bereits einige Abbaumassnahmen im Asylwesen (beispielsweise Einsparungen bei der Nachtwache in Unterkünften oder weniger Taschengeld) vorgenommen. Aber auch gemeinnützige Projekte wie die „Dargebotene Hand“, „ProInfirmis“ oder die Krebslige Aargau, die auf finanzielle Beiträge des Kantons angewiesen sind, werden bei den Budgetdebatten unter Druck gesetzt, mit der Drohung den Geldhahn zuzudrehen.

Weiter werden die Leistungen im Bildungsbereich erneut angegriffen. Indem als erstes das Angebot des Deutschunterrichts als Zweitsprache gekürzt werden sollte, wird auch hier deutlich, dass jene Leistungen, die Betroffene mit speziellen Bedürfnissen fördert, schnell angegriffen werden. Aber auch die persönlichen Studiengebühren im Bereich der Höheren Berufsbildung sollen angehoben werden. Wo es noch keine gibt, werden sie eingeführt. Die Gelder für die Schule für Gestaltung Aargau wurden soweit gesenkt, dass die Existenz der ganzen Institution gefährdet wird, mit Sicherheit jedoch die erforderlichen Gebühren für die Lernenden erhöht werden. Doch sogar die Volksschule musste im Aargau bereits Federn lassen, indem die minimale Klassengrösse in der Primarschule von 12 auf 15 Schüler erhöht wurde. Weiter soll die Reduktion der ungebundenen Lektionen in der Primarschule anfänglich 2,3 Millionen, 2020 gar 6 Millionen Franken Einsparung bringen. Je nach Abteilungsgrösse bleibt es dort dann beim Status quo oder es erfolgt eine Kürzung um eine oder zwei Lektionen. Für die Schulkinder bedeutet dies weniger Lektionen um den Schulstoff zu erlernen und der Beruf der Lehrperson für die Primarschule läuft Gefahr, ein Teilzeitberuf zu werden. Dazu kommt, dass mit dem Budget 2017 die dritte Lohnnullrunde in Folge die Attraktivität des Lehrer*innenberufs im Kanton Aargau im Vergleich zu den angrenzenden Kantonen weiter zurückfällt.

Um dem Leistungsabbau im Bildungswesen Einhalt zu gebieten, riefen Ende 2016 zahlreiche Gewerkschaften und Verbände – unter anderem der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband – zu einer Demonstration in Aarau auf. Diesem Ruf folgten bis zu 10’000 Menschen, darunter viele Schüler*innen und Lehrpersonen. Dennoch gehen die Sparübungen im Bereich Bildung weiter. Der neuste Streich der Kantonsregierung ist, dass das eh schon restriktive Stipendiengesetz umstrukturiert werden soll. Neu würde von den erhaltenen Stipendiengeldern ein Drittel in Form eines Darlehens zur Verfügung gestellt werden, welches die Studierenden dem Kanton zurückzahlen müssen.

Weiter hat die kantonale Regierung den jährlichen Höchstbeitrag für Stipendien gesenkt. Das setzt Studierende aus einkommensschwächeren Familien stark unter Druck, sodass sich die Betroffenen mit Sicherheit zwei Mal überlegen, ob sie sich eine Ausbildung auf tertiärer Stufe überhaupt leisten können. Zusammen mit den Debatten an unterschiedlichen Schweizer Universitäten die Studiengebühren zu erhöhen, wäre dies eine weitere Gesetzesänderung, welche die Chancengleichheit untergräbt. Dagegen hat die SP im Grossrat durchgesetzt, dass zumindest das Behördenreferendum ergriffen wird, wodurch die Aargauer Bevölkerung über das Splittingmodell der Stipendien Anfangs März abstimmen kann.